Alter und Name von Emmerstedt

Hauptstraße 75, Ackerhof am Standort des Historischen Schriftassenguts (O.Pietzak)

von Erich Fanselow

Bis zu den Ausgrabungen des Braunschweigischen Landesmuseums für Geschichte und Volkstum unter Leitung des staatlichen Bodendenkmalpflegers Dr. Niquet im Jahre 1967 "Am Schützenplatze" in Emmerstedt galt die Ansicht, dass unsere Dorfsiedlung – wie alle Orte mit der Endung -stedt – im 3. bis 4. Jahrhundert nach Christus entstanden sein. Die Auswertung dieser Funde – es wurden über 125 Urnen ausgegraben – hat jedoch ergeben, daß dìe Urnen aus dem 5. bis 3. Jahrhundert vor Christus stammen. Das waren die ersten Jahrhunderte der Eisenzeit. Damals müssen also innerhalb unseres heutigen Ortsbereiches auch Menschen sesshaft gewesen sein.

Über die Herkunft unseres Dorfnamens werden wir wohl keine Klarheit mehr erlangen können. Manche Forscher glauben ihn auf den Personennamen Emher, als Stätte des Emher, zurückführen zu sollen. Andere meinen, ein Flusslauf namens Emme oder Emmer könne für den Namen bestimmend gewesen sein. Das Wort "Ammer" ist aber kein Eigenname, sondern heißt soviel wie "Fluss". Es stammt aus dem Indogermanischen und heißt dort "ambr". Da in der Jüngeren Steinzeit (5000 bis 2500 v.Chr.) südlich von Emmerstedt ein großer See gelegen hat, ist der Name Emmerstedt vielleicht aus "ambr-stätte" entstanden. Das bedeutet Stätte am Wasser. Schließlich weist der Ortsname noch auf die vorgeschichtliche Weizenart Emmer hin.

Die vielen Funde an jungsteinzeitlichen Geräten sowie Werkzeugen aus der Mittleren Steinzeit (10000 bis 5000 v.Chr.) beweisen die damals schon verhältnismäßig dichte Besiedlung, besonders auf unseren kleinen Hügeln (Heidberg, Taternberg, Pfingstberg). Die älteste urkundliche Erwähnung datiert erst aus der Mitte des 12. Jahrhunderts.

Das alte Dorf Emmerstedt im vorigen Jahrhundert, vor der Erhöhung des Kirchturms 1887

Im Urkundenbuch des Erzstiftes Magdeburg befindet sich eine Urkunde, die einen Emmerstedter Bürger namens Wilboldo erwähnt (um 1150). Der Ortsname wird "Emerstide" geschrieben. Mit derselben Schreibweise wird unser Ort 1186 in einer Urkunde der Stadt Halberstadt genannt. In den folgenden Jahrhunderten tauchen bis zum Ende des Mittelalters (1500) in Urkunden eines Grafen von Halberstadt, der Stadt Braunschweig, der Herzöge von Braunschweig und Lüneburg sowie des Geschlechts von Wolfenbüttel-Asseburg die Schreibweisen Emmerstede, Emmerstide, Emer­stede (vom 13. bis 16. Jahrhundert), Emberstide, Emberstidde (das b nur im 14. Jahrhundert) und Emmerstidde (1524) auf. Die letzte Schreibweise kommt der niederdeutschen Aussprache am nächsten, die heute noch unter den älteren Einwohnern gebräuchlich ist.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wird der Name schon wie heute üblich ,,Emmerstedt" geschrieben, es finden sich allerdings auch einige Akten, in denen ,Emmerstädt” zu finden ist. Das ist wohl darauf zurückzuführen, dass auch Helmstädt geschrieben wurde, vielleicht um herauszustellen, dass es eine Stadt war. Die Schreibweise Helmstädt hielt sich sehr lange. So erschien die erste Helmstedter Zeitung am 1. Juni 1809 als "Helmstädter Wochenblatt".

Damals hatte sich jedoch für unser Dorf schon das Schriftbild Emmerstedt durchgesetzt. Es ist bis heute so geblieben. Die langsam aussterbende plattdeutsche Aussprache "Emmerstidde" lässt noch die alte Schreibweise anklingen.

Chronik

1186: Erste urkundliche Erwähnung Emmerstedts
1836: Neubau der St. Petrikirche
1889: Bau des Emmerstedter Bahnhofs
1902: Neubau des Pfarrhauses
1905: Neubau der Grundschule "Am Lehberge"
1908: Kraftwerk Emma geht in Betrieb (Grube Emma)
1950: Entstehung des Wohngebietes "Rottensiedlung"
1961: Entstehung des Wohngebietes "Der Windmühlenberg"
1972: Entstehung des Wohngebìetes Emmerstedt Nord (Vogelviertel)
1974: Eingemeindung von Emmerstedt an Helmstedt
1978: Emmerstedter Bahnhof geschlossen
1988: Pastor Dr. Eckehart Beichler übernimmt das Amt des verstorbenen Ortsbürgermeister Edgar Dillner
1991: Partnerschaft zwischen Emmerstedt und Morsleben
1992: Entstehung des Neubaugebietes "Kreipke"
1993: Einweihung des Museumshofes (Heimatmuseum)
1993: Ortsbürgermeister Wechsel, Dr. Beichler geht und H.J. Schünemann kommt
1998: Neubau der Turnhalle "Am Lehberge"
1999: Entstehung des Neubaugebietes "Im Rottlande"
2004: Entstehung des Neubaugebietes "Am Schwarzen Berg"
2006: Neubau der Friedhofskapelle