Orgel St. Petri Emmerstedt

Wie Sie vielleicht schon mitbekommen haben, soll nach dem Abschluss der Sanierungsarbeiten um Turmmauer, Turmhaube und Kirchdach in den kommenden Monaten unsere wunderschöne Furtwängler & Hammer Orgel von St. Petri zu Emmerstedt im Mittelpunkt der Aktivitäten stehen.

Erbaut wurde sie vor 126 Jahren im Jahre 1893 – im selben Zeitraum wie die Furtwängler & Hammer Orgel der Domkirche zu Königslutter. Sie ist ein interessantes Zeugnis für den romantischen Orgelbau des ausgehenden 19. Jahrhunderts und ist daher als wichtiges Klangdenkmal einzustufen. Bei der Werkstatt Furtwängler & Hammer handelt es sich um eine bedeutende Firma, die über einen Zeitraum von vielen Jahren die Orgelgeschichte im deutschen Raum mit beeinflusst hat. Doch zunächst zum Kontext.

Gegen Ende des 19. und am Beginn des 20. Jahrhunderts wurden auf Grund eines Geschmackswandels die meisten kleineren Dorfkirchen in unserer Landeskirche äußerlich und von der Gestaltung der Innenräume durchgreifend renoviert – und ggf. zum ersten Mal mit einer Orgel ausgestattet. Die klangliche Disposition richtete sich dabei allein nach den Erfordernissen der Gottesdienste. Der Orgelsachverständige der braunschweigischen Landeskirche Rüdiger Wilhelm schrieb uns hierzu: „Ein kräftiges Hauptwerk zum Begleiten des Gemeindegesangs stand einem eher schwach und grundtönig disponierten zweitem Manual gegenüber, das für die Begleitung der Liturgen und für die heute nicht mehr üblichen Zeilenzwischenspiele bei den Chorälen gedacht war. Das Pedal war gering besetzt und musste Register haben, die klanglich zu beiden Manualen passten.“ Die Wiedergabe »künstlerischer« Orgelmusik spielte keine Rolle.

Führend für solche Neu- und Umbauten in Norddeutschland war die traditionsreich große Hannoversche Firma Furtwängler & Hammer. Auch unsere Orgel wurde 1893 von dieser Firma neu gebaut. Mit der »Orgelreform« in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts kam der Wunsch auf, die wiederentdeckte Musik der nord- und mitteldeutschen barocken Meister wie Samuel Scheidt und Johann Sebastian Bach auf der Orgel spielen zu können. Dazu wurden die »Piano-Manuale« »aufgenordet«, das heißt, sie wurden mit höheren Stimmen wie z. B. Waldflöte 2 Fuss oder Zimbeln auf Kosten von vermeintlich überflüssigen »Säuselstimmen« wie z. B. Aeoline 8 Fuss versehen. Das klangliche Gesamtergebnis war dann meist sehr inhomogen. „Zum Glück“ – so Wilhelm – „lässt sich heute oft der alte Zustand leicht wiederherstellen, da die klanglichen Veränderungen z. T. nur durch Umstellen oder Abschneiden der vorhandenen Pfeifen bewerkstelligt wurden.“

Technisch wurden die Orgeln mit mechanischen oder später auf pneumatischen Kegelladen und den entsprechenden Spiel- und Registertrakturen versehen. Diese ermöglichten eine leichtere Spielart als es vorher auf den mit Schleifladen und mechanischen Trakturen gebauten Orgeln möglich war. Während des ersten Weltkriegs mussten die Zinnpfeifen im Prospekt (Schauseite der Orgel) abgegeben werden. „Nach ungefähr 100 Jahren oder mehr ist dann für diese so gebauten Instrumente meist eine Generalüberholung wegen Alterung und Versprödung des Leders bei beweglichen Teilen wie Bälgen und Membranen, wegen Verschmutzung der nach oben offenen Orgelgehäusen durch Schimmel und Korrosion oder Holzschädlingsbefall am Pfeifenwerk, aber auch wegen Bauschäden wie Wassereinbrüche bei den zwischen Turm und Kirchenschiff stehenden Instrumenten nötig“ – so der Orgelsachverständige.

Doch die klanglichen Eigenschaften der Orgeln aus der Jahrhundertwende werden heute von Experten wieder sehr hoch eingeschätzt.

Ziel ist es deshalb, der Emmerstedter Orgel den passenden weichen und warmen Klang zurückzugeben, was vermutlich ein Drittel Mehr-Kosten ausmachen wird.

Bei unserem Instrument muss – so die Empfehlung des Sachverständigen, „bauseits das Mauerwerk über der Orgel gesichert und die ganze Technik überholt werden. Diese Arbeiten sind sehr weitläufig. Die alten Pfeifen sind noch in der Orgel in veränderter Form erhalten. Es lohnt sich, diese Kosten zu investieren, da Sie dann ein über lange Zeit wieder gut spielbares und schön klingendes Instrument bekommen, bei den, regelmäßige Nachsicht vorausgesetzt, keine besonderen Reparaturmaßnahmen anfallen werden.“

 

Furtwängler - Hammer Orgel, 7-II-Ped., mechanischer Kegelladen, doppelfaltiger Magazinbalg. erbaut 1893, 1976 von Fa. Schmidt & Thiemann überholt mit Dispositionsänderungen.

 

Disposition

Manual I C-f3

Manual II C-f3

Pedal C-d1

Principal 8'

Quinte 16'

Subbass 16'

Hohlflöte 8'

Gedackt 8'

Violonbass 16'

Gamba 8'

Salizional 8'

Principalbass 8'

Octave 4'

Flöte 4'

Octave 4'

Flöte 4'

Octave 2'

 

Octave 2'

Quinte 1 1/3'

 

Mixtur 2-4fach

 

 


Joachim Scherrieble